Kennst du das Peter-Prinzip? Besser bekannt ist es als die Hierarchie der Unfähigen.

Die Theorie des Wissenschaftlers Laurence J. Peter besagt, dass wer sich an seinem Arbeitsplatz bewährt, solange in der Hierarchie aufsteigt, bis er für seine Stelle ungeeignet ist.

Als ich das das erste Mal las, dachte ich, das sei eher eine sarkastische Aussage von jemand, der in einer großen Organisation frustriert ist. Aber je länger ich darüber nachdenke, desto mehr Wahres ist dran.

Mir ist zum Beispiel eingefallen, dass zu meiner Schulzeit mein Lieblingslehrer, der einen methodisch und inhaltlich guten Unterricht gemacht hat, zum Rektor befördert wurde. Auf dieser neuen Position war er ein Totalausfall. Er kam mit den ganzen bürokratischen Vorgaben und den kaufmännischen Anforderungen nicht zurecht. Trotzdem blieb er auf seinem Posten.

Ich hatte auch einmal eine Chefin, die war lange Senior Projektmanagerin und in ihrem Job der absolute Überflieger. Sie wurde dann zur Leiterin unserer Abteilung befördert und es stellte sich sehr schnell heraus, dass sie dafür nicht geeignet war. Sie konnte nicht gut delegieren, musste alles bis ins Kleinste wissen und war nach einigen Monaten komplett überarbeitet. Aber auch sie konnte sich in dem Job halten, obwohl auch ihre Vorgesetzten gemerkt haben, dass das Team immer unzufriedener wurde.

 Das waren ersten Beispiele, die mir auf Anhieb eingefallen sind. Aber die Liste ist lang…die Autobahnbrücke, die vor der Fertigstellung wieder saniert werden muss; der Berliner Flughafen, der schon vor der Eröffnung unzählige Mängel hat; um Jahre verschobene IT-Projekte. Auch in diesen Fällen kann man oft herauslesen, dass nicht jeder Ingenieur auch ein Großprojekt planen und umsetzen kann. Oft sitzen die falschen Leute auf bestimmten Stellen, obwohl sie sich vorher bewährt haben.

Überlege mal, was für Beispiele dir einfallen? Wer ist auf seiner persönlichen Inkompetenz-Endstufe angekommen?

Die Gründe für dieses Phänomen liegen auf der Hand.

Beginnt man eine neue Stelle, so bringt man die Kompetenzen, die man dafür benötigt entweder mit, oder man lernt sie im Laufe der Jahre. Nach einer bestimmten Zeit wird es dann langweilig, man ist nicht mehr gefordert. Jetzt wird es Zeit für etwas Neues! Für eine höhere Hierarchiestufe mit mehr Verantwortung. Damit verbunden ist mehr Macht, Geld und ein besserer sozialer Status. Irgendwann ist man dann auf der Inkompetenz-Endstufe angekommen – in dem Moment, in dem leider der Job nicht mehr gut gemacht wird und man völlig überfordert ist. Das ist dann die Hierarchie der Unfähigen.

In Behörden und Großkonzernen ist das am häufigsten zu sehen.

Es kommt leider auch nicht selten zu Pseudo-Beförderungen und der Schaffung nicht benötigter Posten. Das kann sowohl inkompetente, aber auch die extrem kompetenten Mitarbeiter betreffen. Die einen sollen dort weniger Schaden anrichten und den Weg für andere frei machen und die anderen keine Unruhe stiften oder „Sand ins Getriebe bringen“.

Hinzu kommt noch eine ganze Reihe von Blendern, bei denen sich leider erst später herausstellt, dass sie für ihren Job überhaupt nicht geeignet sind. Nur weil man sich wie ein Gorilla auf die Brust klopft und erzählt, wie viele Überstunden man macht und wie wichtig man ist, heißt das nicht automatisch, dass man gut ist. Quantität ist nicht gleich Qualität.

Was heißt das denn jetzt für dich?

 Erst einmal ist die Erkenntnis, dass das Peter-Prinzip existiert und es auch empirisch nachgewiesen ist, schon mal beruhigend. Da kann man einiges vielleicht mit etwas Humor nehmen. Du bist nicht alleine mit der Frage: „Wie hat der nur seinen Job bekommen?“

Doch was kannst du konkret machen, um nicht auch irgendwann in der Situation zu sein, in der sich deine Mitarbeiter das fragen? Lerne deine Stärken und Schwächen kennen und mache dir bewusst, wo du hinwillst. Setze dir Ziele und reflektiere auch, was du dafür noch lernen musst und was du verändern willst.

In vielen Unternehmen werden mittlerweile Führungslaufbahn und Fachlaufbahn als getrennte Alternativen angeboten. Manchmal ist auch ein kleiner „Umweg“ hilfreich. Es muss nicht immer nur nach oben gehen, sondern du kannst auch mal einen Schritt zur Seite machen, dich fachlich weiterentwickeln oder ein ganz neues Team kennen lernen. Das wird vielleicht nicht jeder verstehen, aber das ist gewöhnlicherweise auch kein „Karrierekiller“. Man kann Beförderungen auch ablehnen, das ist keine Schande.

Wenn du selbst der Einstellende bist, baue nicht nur auf Hörensagen und die bisherige Leistung. Überlege dir, was dein Mitarbeiter für seine zukünftige Stelle mitbringen muss und ob er das auch kann. In manchen Fällen lohnt es sich, auch ein kleines Assessment Center zu machen, oder noch einen zweiten Interviewpartner hinzuzuziehen. Versuche herauszufinden, was das Ziel des oder der Kandidaten/in ist.

Zum Schluss vielleicht noch ein kleiner Gedankenanstoß:

Das Gegenteil des „Peter-Prinzips“ ist das „Paula-Prinzip“. Das besagt, dass häufig Frauenauf Positionen ausharren, für die sie eigentlich überqualifiziert sind. Unterschiedliches Machtstreben von Männern und Frauen kann hierfür ein Grund sein. Aber auch das Paula-Prinzip kann zu viel Frustration führen. Du trittst immer auf einer Stelle.

Berücksichtige das für dich und auch in deinem Team, falls du eine „Paula“ hast.

Also mache dir bewusst, wo du stehst, ob du damit zufrieden bist. Bist du Peter? Immer schön reflektieren. Arbeite aktiv an dir und an neuen Herausforderungen, wenn du davon überzeugt bist, die Motivation und die Fähigkeiten mitzubringen. Oder arbeite daran sie zu erwerben, wenn du gerne in der Hierarchie nach oben möchtest und dir noch Kompetenzen fehlen. Denn ohne diese bist du bald an deiner Inkompetenz-Endstufe angelangt 😉

Und solltest du Paula sein, habe den Mut, den nächsten Schritt zu gehen und sieh dich selbst nicht so kritisch.

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